Mai Juni Juli Oktober November Februar

Tagebuch eines Weines

Januar 2002

05./06.01.

Winterfröste mit minus 24° C lassen Knospenschäden von ca.30% erwarten
Februar 2002

16.02.

Beim Rebschnitt wird der Grundstein für die Qualität und die Quantität des späteren Weines gelegt. Bedingt durch die Frostschäden haben wir 12 bis 14 Knospen je qm angeschnitten.
März 2002

09.03.

Das zurückgebliebene Schnittholz wurde mit einem Rebholzhäcksler zerkleinert und dient jetzt als zusätzliche Humusversorgung.

11.03.

Der Drahtrahmen wurde ausgebessert, d.h. defekte Stickel wurden ausgebessert und die Drähte angespannt.
April 2002  

16.04.

Von den angeschnittenen Fruchtruten wurde einen Rebe je Stock nieder gezogen, um einen gleichmäßigen Austrieb und eine gleichmäßige Traubenzone zu bekommen.
Mai 2002  

15.05.

Nachdem wir von Spätfrösten verschont wurden, haben wir die Frostrute entfernt bzw. an Rebstöcken mit schlechtem Austrieb nieder gezogen.

16.05.

Die verhältnismäßig hoch gewachsene Dauerbegrünung wurde in jeder zweiten Rebzeile abgemulcht.

22.05.

Der Weinberg wurde ausgebrochen, d.h. Wasserschoßtriebe und Laubverdichtungen wurden an den Rebstöcken entfernt.

25.05.

Die Zeilen, in denen keine Begrünung gesät wurde, ist mit Hilfe einer Weinbergfräse gelockert worden. Gleichzeitig wurde in diesem Arbeitsgang aufkeimende Unkräuter umgefräst.

31.05.

Um eine optimale Nährstoffversorgung für die Rebstöcke zu erzielen, wurde ein Handelsdünger ausgebracht.
Juni 2002  

03.06.

Die reichlichen Regenmengen der letzten Wochen, sowie die hohen Temperaturen der vergangenen Tagen, sorgten für einen hohen Infektionsdruck bei pilzlichen Rebkrankheiten Echter und Falscher Mehltau). Deshalb wurde die erste Pflanzenschutzmaßnahme (Spritzung) mit einem organischen Fungizid durchgeführt.

06.06.

Um für eine schnellere Abtrocknung sowie eine bessere Belichtung der Blätter zu sorgen, wurden die Triebe durch den Drahtrahmen nach oben gesteckt (geheftet).

16.06.

Beginn der Rebblüte. Hier stellt die Natur eine der wichtigsten Weichen für den Ertrag.

20.06.

Ende der Rebblüte. Die warme und trockene Witterung sorgten für einen raschen Blütenverlauf und läßt schöne Trauben erwarten.
Da die frisch durchgeblüten Trauben jetzt völlig ungeschützt sind mußte die zweite Pflanzenschutzmaßnahme(Spritzung) gegen den echten und falschen Mehltau durchgeführt werden.

29.06.

Der Weinberg wurde zum 2.Mal von Hand durchgesteckt (geheftet).
Juli 2002  

02.07.

Der Weinberg wurde mit einem Laubschneidegerät gegipfelt, d.h. die frisch gewachsenen Triebe wurden ca. 20cm über den obersten Draht weggeschnitten damit eine schnellere Abtrocknung bzw. bessere Belichtung erfolgen kann.

08.07.

Da ein sehr großer Infektionsdruck bei pilzlichen Krankheiten besteht wurde eine erneute Spritzung durchgeführt. Hierbei wurde neben Mitteln gegen den echten und falschen Mehltau auch noch ein Mittel gegen Botritis (Grauschimmel) eingesetzt.

17.07.

Der Weinberg wurde erneut ausgebrochen.

22.07.

Die Begrünung wurde mit Hilfe eines Mulchgerätes abgemäht.

23.07.

Der Boden wurde mit einer Kreiselegge aufgelockert und dabei Unkräuter entfernt.
Der Unkrautbewuchs unter den Rebstöcken wurde mit einem sogenannten "Stockräumer" (ein spezieller Pflug, der nur unter der Zeile arbeitet) entfernt.

27.07.

Die vierte Spritzung wurde durchgeführt.

30.07.

In jede 2.Rebzeile wurde Stroh eingebracht und anschließend mit einer Fräse eingearbeitet. Die Stroheinbringung dient einer besseren Humusversorgung, einem Erosionsschutz und eines Verdunstungsschutzes.
August 2002  

08.08.

Der Weinberg wurde mit einem "Laubschneider" zum zweiten Mal gegipfelt.

11.08.

Die 5. und letzte Spritzung wurde durchgeführt.

22.08.

Um für eine möglichst optimale Reife zu sorgen wurde eine sogenannte "Grünernte" durchgeführt, d.h. überzählige Trauben wurden ausgeschnitten.

28.08.

In die unbegrünten Rebzeilen wurde eine Winterbegrünung mit Wintergerste eingesät. Die Winterbegrünung dient zum einen einer besseren Humusversorgung, zum anderen verhindert sie im Winter einer Nitratauswaschung im Boden.
Die Dauerbegrünung in jeder 2. Rebgasse wurde mit einem Mulchgerät abgemäht.
September 2002  
  Der September ist der Monat der Traubenreife und für den Winzer Zeit sich auf die bevorstehende Weinlese vorzubereiten.
Oktober 2002  

18.10.

Der Weinberg wird "gelesen". 

Die von Hand abgeschnittenen Trauben werden, sofern sie gesund bzw. edelfaul sind (sauerfaule bzw. unreife Trauben werden weggeworfen), vom Eimer direkt in den Traubenwagen befördert.

Sobald der Weinberg fertig abgeerntet wurde, werden die Trauben im Betrieb sofort in die "Kelter" (Weinpresse) gepumpt und abgepresst.
Von der Weinpresse wird der frisch gepresste Traubenmost in einen Edelstahlbehälter gepumpt.

19.10.

24 Stunden später hat sich der Most geklärt, d.h. im Tank hat sich der Trub abgesetzt. Es wird nun der klare Saft abgezogen und in einen anderen Edelstahltank, den sogenannten Gärtank, gepumpt.

 

Nun werden erste analytische Untersuchungen durchgeführt. Diese ergaben ein Mostgewicht von 91°Oechsle und eine Säure von 7,5g/l. 
Anschließend werden noch 15g/hl Reinzuchthefe zugesetzt, um eine gleichmäßige Gärung zu bekommen.

29.10.

Der Wein befindet sich mitten in der Gärung, d.h. ca. die Hälfte des Zuckers hat sich bereits in Alkohol umgewandelt. Jetzt hat der Most das Stadium des sogenannten "Federweißens" erreicht.

November 2002  

16.11.

Nachdem die Gärung nun abgeschlossen ist wurde der 1.Abstich durchgeführt, d.h. der wein wurde von der Hefe abgezogen und in einen anderen Tank gepumpt.

 

Eine wöchentliche sensorische Kontrolle wird durchgeführt um sicherzustellen, dass sich keine geschmacklichen Weinfehler einschleichen

23.11.

Der Wein wurde auf seinen Akoholgehalt und seinen natürlichen Restzucker hin untersucht.
Die Untersuchung ergab folgende Werte:
  • Gesamtalkohol: 102,3g/l
  • Vorhandener Alkohol: 99,7g/l
  • Zucker: 5,5g/l
  • Um den Wein vor Oxidation und Mikroorganismen zu schützen wurde er geschwefelt.

    Dezember 2002  

    06.12.

    Der Wein wurde zum 2.mal abgestochen und anschließend wurde eine Eiweißschönung durchgeführt. Hierbei wurde 100gr/hl Bentonit (eine spezielle kolloidreiche Tonerde) zugesetzt, die bewirkt das vorhandene Eiweißverbindungen absorbiert werden und später nicht zu Trübungen auf der Flasche führen können.
    Januar 2003  

    03.01.

    Der Wein wurde mit einem Schichtenfilter filtriert.

    10.01.

    Nachdem der Wein nun klar im Glas steht wurde nach seiner geschmacklichen Harmonie probiert. Er präsentiert sich als ein sehr kräftiger, sauberer Wein mit einem sehr schönen, aber für einen Weißburgunder etwas lauten Aroma

    23.01.

    Der Wein wurde zum 2.mal mit einem Schichtenfilter filtriert und dabei belüftet, um das Aroma etwas abzumildern.

    31.01.

    Der Wein steht kurz vor der Abfüllung. Um das Geschmacksbild des Weines zu harmonisieren, wird eine sogenannte Süßreservedosage durchgeführt. Hierbei wird eine Probe durchgeführt mit wie viel Prozent Süßreserve (= Traubensaft der im Herbst mittels Pasteurisation (Heißeinlagerung) haltbar gemacht wurde) der Wein am harmonischsten schmeckt.

    Wir entschieden uns dazu, den Wein auf zwei verschiedene Weisen zu füllen und zwar einmal "trocken" mit einer Zugabe von 1,5% Süßreserve, zum anderen "halbtrocken" mit einer Zugabe von 4% Süßreserve.

    Die vorher ermittelte Menge an Süßreserve ist dem "Weinen" zugesetzt worden. Anschließend wurde noch einmal der Gehalt an freier schwefliger Säure überprüft und etwas nachgeschwefelt.

     
    Februar 2003  

    01.02.

    Der Wein wird abgefüllt:
  • -6.00Uhr - der Schichtenfilter wird mit Entkeimungsschichten angesetzt
  • -6.15Uhr - es wird eine 2%ige schweflige Lösung gerichtet
  • -6.30Uhr - der Filter wird gedämpft (um evt. vorhandene Keime abzutöten)
  • -7.30Uhr - der Filter wird gewässert
  • -7.40Uhr - der Füller wird gedämpft
  • -8.00Uhr – die Abfüllung beginnt
    Die Abfüllung unterteilt sich in 4 Arbeitsschritte, die nachfolgend kurz erläutert werden:
      1. Sterilisation
        Hierbei werden die leeren Flaschen bzw. die Bocksbeutel auf einem sogenannten Sterilisator zuerst mit einer 2%igen wässrigenschwefligen Lösung und anschließend mit reinem, sterilem Wasser ausgesprüht. Dieser Arbeitsgang tötet vorhandene Keime in der Flasche und entschwefelt gleichzeitig die Flaschen.
      2. Füllung
        Beim Füllen werden die Flaschen direkt vom Sterilisator auf den Füller gesteckt, der die Luft aus den Flaschen saugt. Durch das hierbei entstandene Vakuum füllt sich die Flasche mit Wein, der vom Tank über einen entkeimten Filter direkt in den Füller gepumpt wird.
      3. Verschluss
        Nachdem die Flaschen gefüllt sind, werden sie direkt verschlossen. Die Bocksbeutel werden mit einer Korkmaschine verkorkt. Hierbei wird kurz bevor die Maschine den Korken in den Flaschenhals drückt etwas Kohlensäure in die Flasche geblasen, um das Luftpolster zwischen Korken und Wein zu entfernen. Bei den Bordeauxflaschen wählten wir als Verschluss einen Schraubverschluss (über die Vorteile dieses Verschlusses möchte ich hier nicht näher eingehen). Beim Schraubverschluss muss zuerst ein Helfer die Verschlusshülse auf die Flasche stecken und ein anderer Helfer befestigt anschließend den Schraubverschluss mit Hilfe einer sogenannten Anrollmaschine.
      4. Abräumen
        Die nun fertig abgefüllten Flaschen werden in Holzkisten gesetzt und von Hand in den Keller getragen.

    03.02.

    Für die beiden Weine wird die Amtliche Prüfungsnummer beantragt. Hierbei kommt eine Probeflasche in das Landesuntersuchungsamt Bayern, welches die analytischen Werte feststellt. Eine weitere Flasche wird in der Regierung von Unterfranken auf Ihre sensorische (geschmacklich) Qualität hin untersucht und zwei Flaschen werden von der Reg. v. Ufr. amtlich versiegelt und müssen 2 Jahre vom Erzeuger aufgehoben werden.

    13.02.

    Der Bescheid der Weinprüfstelle ist eingetroffen. Beide Weine haben ihr Prädikat zuerkannt bekommen und dürften verkauft werden. Da der Wein durch die Abfüllung etwas strapaziert wurde, lassen wir ihn jedoch noch einige Wochen zur Ruhe kommen bevor wir ihn in den Verkauf bringen.

    15.03

    Ein Teil der Bocksbeutel bzw. Bordeauxflaschen wird etikettiert. Hierzu müssen zuerst die Flaschen vom Keller herauf getragen werden, um dann auf jede Flasche von Hand ein Etikett zu kleben. Anschließend muss noch auf jede Flasche eine Kapsel aufgesetzt und die Flaschen bzw. Bocksbeutel verpackt werden.

    Die beiden Weine haben sich von den Strapazen der Abfüllung beruhigt und kommen in den Verkauf. Der "fast trockene" Weißburgunder in der Bordeauxflasche weist folgende Analysenwerte auf:

    • vorhandener Alkohol: 11,75 % vol
    • Restzucker: 9,5 g/l
    • Säure: 6,7 g/l

    Es ist ein körperreicher, kräftiger Wein mit einem verhaltenen Annanas- und Zitronenaroma. Es ist ein idealer Speisebegleiter und besonders zu Meeresfrüchten und kräftigen Seefischen zu empfehlen

    Der "halbtrockene" Weißburgunder im Bocksbeutel weist folgende Analysenwerte auf: 

    • vorhandener Alkohol: 11,5 % vol
    • Restzucker: 15,6 g/l
    • Säure: 6,9 g/l

    Es ist ein runder, ausdrucksvoller Wein mit einer betörenden Fruchtnote. Er zeigt eine feine Harmonie zwischen seinen Geruchs- und Geschmacksstoffen, bei denen die feine Süße die Rundung gibt. Stimulans für Stunden der Entspannung.

       

    Ich hoffe ich konnte Ihnen mit diesem Tagebuch einen kleinen Einblick in die Arbeit eines Winzers geben.

    Durch die Auflistung sämtlicher Arbeiten bewahrheitet sich eine alte Winzerweisheit, die lautet: "Der Weinstock will im Jahr 27mal seinen Herrn sehen."

    Bis der Wein dann abgefüllt wird, kommen noch einmal 12 Arbeitsgänge im Keller dazu. Wenn man sich dann noch vorstellt, dass man jede Flasche, von der Abfüllung bis zum einschenken ins Glas, 10 mal anfassen muss, wird einem der Sinn des nachfolgenden Trinkspruches von Julius Wolff klar, mit dem ich dieses Tagebuch beschließen will.

    Es gibt kaum einen der gedenkt,
    wenn man den Wein den man ihn brachte,
    so leichter Hand ins Glas sich schenkt,
    die Müh und Arbeit die er machte.

    In diesem Sinne
    Zum Wohl